Vom 8. Mai 2012

Der wohl große Traum eines jeden Bayernfans war nun am vergangenen Mittwoch Wirklichkeit geworden! In einem dramatischen Spiel hatte sich unsere Mannschaft nach Elfmeterschießen gegen Real Madrid im Estadio Santiago Bernabéu durchgesetzt. Ohne hier einzelne Spieler außerordentlich zu verehren, war die Grundlage des Erfolgs vor allem Kampfgeist und Leidenschaft. Hatte man sich doch nach frühem Rückstand mit starkem Einsatz und einem Ausdruck von hohem Siegeswillen zurück gekämpft. Folglich steht unser Verein unmittelbar vor einem unbestritten einzigartigem Spiel – dem historischen Endspiel in der Königsklasse. Besondere Bedeutung hat dieses Spiel auch, da es noch keinem Verein gelang, sich seit Umbenennung des Europapokals der Landesmeister in Champions League für ein Finale im eigenen Stadion zu qualifizieren.

Eben dieses Finale in unserem Stadion ist zweifelsohne für alle Beteiligten, also auch jeden Bayernfan eine Herzensangelegenheit. Für die Stadt und den Verein steht auch somit in knapp Drei Wochen ein enormes Großereignis bevor. Infolgedessen regt sich in dem Kopf einiger Bayernfans wohl eine Spur Egoismus. Das Grundinteresse an Eintrittskarten ist daher immens und mit weit über eine Millionen Anfragen in einem in jedem Fall vorher nie existentem Ausmaß. Einfach wäre es daher mit Sicherheit, die Floskel zu bemühen:“ Man kann es nicht jedem recht machen“. Der Verein sieht sich also mit der Verteilung des ihm zustehenden Eintrittskartenkontingents mit keiner einfachen Aufgabe konfrontiert. Aus purer Selbstverständlichkeit heraus einen etwa auch nur einen zaghaften Anspruch auf eine Bevorteilung zu formulieren sollte sich niemand eingestehen.

Doch sind es nicht vor allem die Fans, die ihren Farben immer folgen und einen bescheidenen unterstützenden Beitrag zur Realisierung der gesteckten sportlichen Ziele der Mannschaft zu leisten gedenken? Schließlich hoffen Verantwortliche und Spieler in guter Regelmäßigkeit auf eine atemberaubende Atmosphäre. Vorgebracht werden auch bei Zeiten Begrifflichkeiten wie „Hexenkessel“ oder „Festung“. Förderlich wäre es demnach doch wohl mit Sicherheit, wenn der Heimvorteil auch nicht nur darin bestehen wird, dass dieses Endspiel schlichtweg in dem eigenen Stadion stattfindet, sondern wenn dieses auch – nach Möglichkeit – mit Anhängern unseres Vereins gefüllt ist, die, ähnlich wie die Spieler nach dem Gewinn des Henkeltopfs lechzen und auch in diesem letzten Spiel alles dafür geben. Zumal dem gegenüber bereits die Zahl von über 30.000 „neutralen Fans“, also von dem UEFA-Kontingent direkt bedachte Zuschauer unverhältnismäßig groß erscheint. Auf diese Weise ist doch die gelobte Unterstützung aus vergangenen Spielen in dieses historische Spiel zu transportieren. Doch inwiefern dieses Endspiel dann ein Heimspiel werden wird, hat sich noch herauszustellen. Auch optisch darf man sich auf eine Entfremdung einstellen. Medienberichte verweisen bereits auf den Plan der UEFA, das Stadion an diesem Abend in den Farben des Final-Logos, also Türkis und Grün zu erhellen. Darüber hinaus steht ein Schwarzmarkt mit nicht finanzierbaren Preisen bevor. Aufhorchen lässt es einen auch, dass ausgerechnet der Londoner Finalgegner, der vor Jahren in die Hände des russischen Öl-Milliardärs Roman Abramowitsch ging, hier eine begünstigte Behandlung der engagierteren Fans betreibt. Daher blickt man doch mit einer Spur Missmut auf die nächsten Wochen, wenn man bei der Lotterie für dieses Spiel leer ausgehen wird…

RED FANATIC MÜNCHEN im Mai 2012


Kategorie: StellungnaHmen

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