Vom 18. Juli 2012

Unter dem Motto „Für Fußball. Gegen Gewalt“ fand am gestrigen Dienstag einmal mehr eine Sicherheitskonferenz, oder auch als „Sicherheitsgipfel“ glorifizierte Veranstaltung statt. Es wurden hier nicht, wie schon mal hinter mal mehr, mal weniger vorgehaltener Hand, angedroht die Stehplätze in deutschen Stadien abgeschafft. Doch schon die Tatsache, dass dieses Szenario teils vehement von Politik und Polizei gefordert wird, lässt einen an der Ehrlichkeit jener Akteure zweifeln. Es ging schlichtweg darum, dass Vertreter der Vereine aus den obersten Drei Fußballigen in Deutschland auf freundliche Einladung des DFB und der DFL einen „Maßnahmen-Katalog gegen Gewalt und für den Fußball“ absegnen durften. Allein diese Tatsache schien ja mehr als überfällig zu sein, mit Blick auf die anhaltenden Gewaltauswüchse rund um Fußballspiele in der weiten Republik könnte man anhand der medialen Berichterstattung hocherfreut resümieren.

Aber allein völlig neutral betrachtet, erscheinen die Protagonisten dessen, was nun als „Verhaltenskodex“ und erfolgsversprechende Distanzierung herausgegeben wird, etwas voreingenommen oder treffender formuliert unvollständig zu sein. So waren neben Vertretern der Vereine und Verbände nur noch der Bundesinnenminister sowie der Vorsitzende der Innenministerkonferenz der Länder zu gegen. Die „Handlungsgrundlage von Kommunikation und Dialog“ nach DFL-Präsident Reinhard Rauball wurde hier also leider nicht erkennbar. Womöglich macht es Gespräche deutlich einfacher ohne Anwesenheit „des Problems selber, der Fans“, ähnlich dem Reden über einen Schwerkranken ohne dessen Anwesenheit. Daher ist es auch gar nicht mehr befremdend, dass die Diskussionsrunde sich pauschalisierender Stereotype zu bedienen wusste.

So wird sich in direktem Aufeinanderfolgen gegen „gewalttätige Zwischenfälle und Abbrennen von Pyrotechnik“ ausgesprochen. Ein derartiger direkter Vergleich fand ja auch schon des Öfteren Verwendung. Im „Verhaltenskodex“ selbst wird daraufhin der Fußball als emotionales Gemeinschaftserlebnis beschrieben, dessen einzigartige faszinierende Kultur die Fans als Grundlage hat. Dieser wichtige Bestandteil der Fußballkultur benötigt aber ohne Zweifel auch Freiraum. Eine flächendeckende Video-Überwachung ist zudem ohnehin keine bahnbrechende Neuerung. Symptomatisch ist vielmehr eine beschlossene Ausdehnung der Stadionverbote auf Fünf – in Ausnahmefällen bis zu Zehn Jahre – die eine frühere Aufweichung dieser Sanktionierung zurücknähme. Das ist allerdings nur einer von vielen Bausteinen, die den Fans oder der Allgemeinheit als Privilegien verkauft werden. Im Zusammenhang dazu sind weitere Bestandteile der „traditionsreichen Fankultur“ bereits im Wandel. Die so moderaten Eintrittspreise steigen unverkennbar zusehends und die Abschaffung von Stehplätzen findet von Zeit zu Zeit bereits auch Verwendung als Druckmittel.

So fühlen sich Fans sozusagen einer permanent vorhandenen Form von Bewährung ausgesetzt. Diesen auf breiter Linie „unglücklichen Dialog“, der häufig in Form von pauschalisierenden Sanktionen wie Materialverboten Ausdruck findet, tragen auf weiter Flur auch die Vereine mit. Mit Ausnahme von Union Berlin nickten diese gestern allesamt den „Verhaltenskodex“ ab, um ein friedliches Gemeinschaftserlebnis zu erhalten. Nun ist schon vereinzelt vom „laschen Strafenkatalog“ des gestrigen Tages zu lesen. Dementgegen bleibt herauszustellen, dass jeder weitere einschränkende Beschluss an vorderster Stelle die Personen ins Abseits stellt, die für die schützenswerte Fußballkultur prägendes Engagement

an den Tag legen. Ohne sich hier für Gewalt in irgendeiner Form auszusprechen, bleibt doch zu hoffen, dass der viel gepriesene Dialog doch zu gegebener Zeit noch stattfinden möge…

RED FANATIC MÜNCHEN im Juli 2012


Kategorie: StellungnaHmen

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